Die Täter - Für H&M

Die Täter - Für H&M
Ginger & Scary

Sonntag, 25. November 2007

Tag 1

7. August 2007

Wir stehen vor einem Trümmerhaufen!

(Im wahrsten Sinne des Sprichwortes!)

Günter Eich: „Inventur“


Dies ist meine Mütze,

Dies ist mein Mantel,

Hier mein Rasierzeug

Im Beutel aus Leinen.

Konservenbüchse:

Mein Teller, mein Becher,

Ich hab in das Weißblech

Den Namen geritzt.

Geritzt mit diesem

Kostbaren Nagel,

Den vor begehrlichen

Augen ich berge.

Im Brotbeutel sind

Ein Paar wollene Socken

Und eigenes, was ich

Niemand verrate.

So dient es als Kissen

Nachts meinem Kopf.

Die Pappe hier liegt

Zwischen mir und der Erde.

Die Bleistiftmine

Lieb ich am meisten:

Tags schreibt sie mir die Verse,

die nachts ich erdacht.


Dies ist mein Notizbuch,

Dies ist meine Zeltbahn,

Dies ist mein Handtuch,

Dies ist mein Zwirn.

Das ist doch mal ein schöner Anfang – wahrhaft metaphorisch: Trümmerliteratur – wir fangen am Ende (des Krieges) an. Wir sprechen von Rasierzeug und Beschäftigungstherapie und fragen uns, ob das, was wir hier machen, nicht die eigentliche Beschäftigungstherapie ist. Denn immerhin: Warburg goes Zentralabitur – wie soll uns da dieses Geschwafel von kostbaren Nägeln, Brotbeuteln und Bleistiftminen weiterhelfen? Wahrhaftig, eine merkwürdige Vorstellung. Vermutlich aber bleibt uns nur eins: Vertrauen in den Führer... ähm... Lehrer...

Wir stellen fest, dass der Mann, das lyrische Ich, eine Eigenschaft innehat, die eigentlich sehr untypisch für die Gattung Mensch ist: Er ist zufrieden mit dem, was er hat. Bewundernswert – Ich will immer das, was ich nicht habe (und ich glaube, damit spreche ich für einen Großteil der Bevölkerung)[1]

Andreas Gryphius: „Tränen des Vaterlandes, anno 1636

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!

Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun,

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun

Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret,

Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun,

Die Jungfraun sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,

Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.

Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut,

Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen.

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,

Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot,

Dass auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen.

Komisch, sonst sagen sie doch immer: Früher war alles besser. Aber er findet das wohl nicht. Schade. Seine zentralen Punkte sind schnell gefunden (er wiederholt sie ja auch oft genug...): Blut, Tod usw.

Wieder fällt ein neues Wort: Lakonie? Moment... lakonisch? Kann man das essen? Aha... ein Stielmittel (Besenstil?) Ach so – nüchtern. Ja, das versteht unsereins natürlich (was für eine verkommene und vom Alkohol beherrschte Gesellschaft...). Günter Eich schreibt offensichtlich sehr lakonisch, quasi nüchtern – Gryphius nicht, der war besoffen. Klingt auch so.

Ihr sollt nicht reflektieren, nicht nachdenken. Seid lakonisch. Vor allem im DeutschLK.

The end.

Fin.

Ende.

Fine.

To be continued.[2]



[1] A.d.A. (1): Ich will Schokolade!

[2] A.d.A. (1): Es ist wirklich erstaunlich, wie linguistisch begabt wir sind…

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